HS Geschichte

Schulen und damit Unterricht, Lehren und Lernen, sind dauernden Veränderungen unterworfen - der Zeitgeist hat sie ebenso im Griff so wie sie den Zeitgeist.

Und morgen?

Die Vorläuferin unserer Hauptschule war die erste öffentliche Mädchen-Bürgerschule.Sie entstand nach dem 1. Weltkrieg in der ehemaligen (und heutigen) Volksschule Dreiheiligen in der Jahnstraße. Sehr bald aber konnte dieses Haus die zahlreichen Mädchen nicht mehr fassen, so dass der Bürgermeister der Stadt Innsbruck Franz Fischer die große Doppelhauptschule in Pradl bauen ließ.

Architekt Theodor Prachensky plante die Schule sehr großzügig mit einem Schwimmbad im Keller. Der 1931 begonnene Bau wurde wegen der schweren Wirtschaftskrise wieder eingestellt. Im März 1937 bat die Gemeinde Innsbruck ihre Bürger, die fehlenden 500.000 ATS durch Bausteine im Werte von 10, 100 und 1.000 ATS aufzubringen, damit die Schule in einer vereinfachten Sparversion vollendet werden konnte.

Umsiedlung in das neue Gebäude 1937

Am 17. November 1937 übersiedelte die ganze Mädchenhauptschule Dreiheiligen in das große, helle Schulhaus in der Gabelsbergerstraße.

Die braune Zeit

Am 15. März 1938 begann auch für unsere Schule die nationalsozialistische Zeit und die Direktion wurde schnellstens ausgewechselt. Und schon 2 Monate später wurde die Schule umgetauft in HANS SCHEMM-SCHULE. Hans Schemm war der nationalsozialistische Begründer des NS-Lehrerbundes.

Die Rache der Allierten

Als im 2. Weltkrieg die ersten Bomben in Innsbruck fielen, wurden die Fensterscheiben und Eingangstüren durch den Luftdruck eingedrückt und die Schule übersiedelte mit allen Schülerinnen nach St. Anton am Arlberg ins Hotel Post.

Nach Ende des 2. Weltkrieges renovierte man notdürftig die Schule und quartierte noch die Mädchenvolksschule Siebererstraße, später die MVS Pradl hier ein. Montag, Dienstag, Mittwoch hatten die Hauptschüler am Vormittag, die Volksschüler am Nachmittag von 13 - 18.15 Uhr Unterricht. Donnerstag, Freitag, Samstag wurde gewechselt.

Umbenennung - Aufatmen

Außerdem wurde die Schule wieder einmal umgetauft, diesmal in Dr. Karl Renner Schule.

Harte Nachkriegszeiten

Über Wunsch der französischen Besatzungsmacht mussten in den 3. und 4. Klassen anstelle von Englisch Französisch unterrichtet werden. Die Klassen wurden mit Einzelöfen - Brennmaterial war Mangelware - beheizt. In Jeder Klasse saßen 40 oder mehr Mädchen.

Die Schweiz unterstützte unsere Hunger leidenden Kinder und zahlte täglich für jede Schülerin 1/2 Liter dicke Suppe. Sie wurde in großen Kesseln im Schlachthof gekocht, in die Schule gebracht, und von den Lehrerinnen in der großen Pause verteilt. Ab 1947 wurde die Ausspeisung vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen weiter unterstützt und die Gewichtszunahme der Kinder pro Schuljahr um 2-3 kg kontrolliert.

Ende 1951 zerstörten zahlreiche Lawinenabgänge von der Nordkette sogar das Wasserwerk in Mühlau. Es gab 5 Tage lang kein Wasser an der Schule und daher auch keinen Unterricht. Die Mädchen kamen dennoch täglich zur Schule, lieferten ihre Hausübungen ab und holten sich neue Aufgaben. Ein Jahr später herrschte zu Schulschluss eine unerträgliche Hitzewelle mit mehr als 40 Grad Celsius, sodass an den 10 letzten Schultagen der Unterricht sehr zeitig (oft um 5 Uhr) begann und spätestens um 10 Uhr endete.

Elend

1955 wurde der Unterricht am Samstag Nachmittag abgeschafft. Zum ersten Mal verteilte der Milchhof Innsbruck zum Gegenwert von 50 Groschen pro 1/4 Liter auch Milch an die Schüllerinnen.

Neubeginn und bessere Zeiten

In den folgenden Jahren schwoll die Schülerzahl auf 862 Mädchen in 23 Klassen an, sodass rein verwaltungstechnisch die Schule in 2 Direktionen aufgeteilt werden musste. Die neuen Namen der beiden Schulen an der Gabelsbergerstraße waren nun Mädchenhauptschule Pradl I und Mädchenhauptschule Pradl II.

Großartig feierte man 1960 die Überdachung der Terrasse im 2. Stock über dem heutigen Physiksaal und den Ausbau eines Mehrzweckraumes, des heutigen Musiksaals. Damit wurde endgültig der Physiksaal trockengelegt, denn das vorherige darüber liegende Flachdach war nie dicht gewesen und bei jedem Regen - oder Tauwetter rieselten die Tropfen durch das Dach auf Tische und Bänke.

Mit dem Beginn des Schuljahres 1982/83 zogen zum ersten Mal Buben in das Gebäude ein. Ein neues Schulgesetz verlangte die koedukative Führung der HS Klassen. Die Schule wurde wiederum umgetauft, diesmal in HS I Gabelsbergerstraße und HS II Gabelsbergerstraße. Drei Jahre später (1985/86) trat der neue Lehrplan mit der Trennung in Leistungsgruppen in D, M, und E in Kraft, die Klassenzüge hingegen wurden abgeschafft.

In den Folgejahren spürte man immer stärker die Auswirkungen der Antibaby-Pille, der Pillenknick zeigte voll seine Wirkung. Die Anzahl der Neuaufnahmen schrumpfte stetig, bis 1987 beide Schulen zu einer Direktion zusammengelegt wurden. Damit gab es auch nur mehr die HS Gabelsbergerstraße.

Um der stetigen Abwandern von Schülern an die umliegenden Gymnasien entgegenwirken zu können, entwickelten sich die ersten thematischen Schwerpunkthauptschulen und auch unsere Schule beschloss, ab 1991/92 mit der Führung von Klassen unter einem technischen Schwerpunkt zu beginnen. Seit diesem Schuljahr führen wir je 2 technische Klassen und eine normale Hauptschulklasse.

Der Name wurde in Technische Hauptschule Gabelsbergerstraße geändert.

Wir führen zweimal jährlich eine Projektwoche mit unseren Klassen durch und haben unsere autonome Stundentafel so verändert, dass vermehrte Physik-Chemie-Unterricht, mehr Technisches Werken und Informatik stattfinden kann.

Zusammen mit 7 anderen Innsbrucker Hauptschulen, auch unserer Nachbarschule Pembaurstraße, werden wir im Schuljahr 2009/10 mit den ersten Klassen am bundesweiten Schulversuch NEUE MITTELSCHULE mit technischem Schwerpunkt teilnehmen. Das wird viele Veränderungen im Schulalltag mit sich bringen.

PS: Viele Bilder wurden dem AEIOU-Archiv des Internet entnommen (www.aeiou.at)